Geschichte & Restaurierung

Chronologie
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Die Geschichte des Ländtehauses

1831 kauften die Brüder Knechtenhofer das um etwa 1805 erbaute, damals sogenannte "schöne Haus", an der Göttibachländte am Aarebecken. Nach einer umfangreichen Vergrösserung wurde es zum zweiten Gäste- und Wirtshaus ihrer bekannten und bestrenommierten Pension Bellevue. Die damaligen Touristen, insbesondere äusserst reisefreudige und reiche Engländer, machten hier einige Tage Zwischenstation, bevor sie sich in kleinen Ruderbooten nach Neuhaus weiter ins Oberland bringen liessen.

1834 wurde, nach heftigen Streitereien in der Öffentlichkeit, beschlossen, die mehr ortsbezogenen Fahrwege auf der südlichen Seeuferseite zu einer Verbindungsstrasse in das Oberland auszubauen. Um nicht ins Abseits zu geraten, reagierten die unternehmungsfreudigen Brüder Knechtenhofer sofort und gaben in Faubourg Saint-Denis bei Paris den Bau eines Dampfschiffes in Auftrag.

1835 übernahm die erste Thunersee-Dampfer, die Bellevue, den Linienverkehr zwischen Thun und Neuhaus.Die Wirtschaft im Erdgeschoss des Ländtehauses wurde nun DAMPFSCHIFF respektive BATEAU À VAPEUR genannt.

1864 zog sich die Familie Knechtenhofer aus dem Hotelgewerbe zurück und verkaufte das Ländtehaus zusammen mit dem gesamten Hotelkomplex "Bellevue". Der Abstieg des Hotels begann.

1867, 1890 und 1896 folgte ein mehrmaliger Besitzerwechsel. Während rund 100 Jahren blieb das Gebäude gastronomisch ungenutzt.

1971 kaufte die Einwohnergemeinde Thun das Gebäude und überliess es 1997 dem Architektenehepaar Dorothea und Rolf Lemberg im Baurecht.

2000 Nach fast hundert Jahren Unterbruch wurde nach einer detailgetreuen denkmalpflegerischen Restaurierung des gesamten Ländtehauses durch den Architekten Rolf Lemberg in Zusammenarbeit mit dem kantonalen Denkmalpflege Dr. Jürg Schweizer, das alte Biedermeier-Restaurant in den unteren Etagen wieder zu neuem Leben erweckt. Die oberen Etagen werden heute als Wohnungen genutzt.
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Die Restaurierung des Ländtehauses

"Wenn es im Kanton Bern einen Preis für das am besten restaurierte Haus gäbe, Herr Lemberg würde ihn erhalten." (Jürg Schweizer, Kant. Denkmalpfleger)

Einerseits bestand beim Verkauf des Ländtehauses an das Ehepaar Lemberg ein enormer Reparaturstau. Fassadenputz, Sandsteinbauteile, Laubenvordächer, Fussböden, Malerarbeiten und die gesamte Elektro-, Sanitär- und Heizungstechnik waren in einem äusserst sanierungsbedürftigen Zustand. Andererseits war dank dieser über Jahrzehnte zurückgestellten Reparatur der Originalzustand des Biedermeierhauses von 1831 in seltener Weise erhalten geblieben.

Ziel war es, die umfangreichen Originalbestände (Fassadenputz von 1831, gestemmte Füllungstüren mit handgeschmiedeten Schlössern, Sprossenfenstern mit Biedermeierbeschlägen und "gezogenem Glas", Wandtäferungen, vielfältigen Stuckgesimsen, Waadtländer Parkettböden, Steintreppen aus Ringgenberger Kalkstein etc.) nicht auszuwechseln, sondern in vorsichtiger Reparatur zu erhalten. Die funktionsbedingten Einrichtungen wurden auf ein Minimum beschränkt. Eine Modernisierung der haustechnischen Installationen auf heutigem Standard und geringfügige Nutzungsanpassungen wurden vorgenommen. Zielsetzung war eine "sanfte Sanierung", die die räumlichen und stimmungsmässigen Qualitäten dieses Projektes bewahrt und wiederbelebt.

Überraschend und zum Teil unerwartet war die unter mehreren Schichten versteckte noch vorhandene, ursprüngliche Farbgebung aus der Anfangsphase des Hotel- und Restaurantbetriebes. Auf der Hauswand im aareseitigen Laubenbereich kam eine einmalige romantische Steinimitation zum Vorschein. Quadermauerwerk in leicht grünem Marmor, Licht, Schatten und Adern künstlerisch imitiert. Weiter aufzuzählen ist die Farbgebung der Fassaden mit dem ockerfarbenem Verputz und den feinen Grauabstufungen an den Fenstergewänden, den Fenstern, der Laubenkonstruktion und den Dachüberständen. Auch die alte Werbebeschriftung des Gäste- und Wirtshauses war noch in Spuren vorhanden. Alle diese prächtigen Bemalungen waren so gut erhalten, dass sie zum Teil restauriert werden konnten. In stark beschädigten Bereichen dienten diese Befunde für eine detailgetreue Rekonstruktion. In grossen Lettern über fast die gesamte Hausbreite sieht der Gast heute wieder schon von Ferne die Beschriftung "BATEAU â VEPEUR".
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Besonderes

Wirtshausschild

Auch das alte Wirtshausschild von 1835 kommt wieder zu seinen Ehren. Das Original hängt im Schlossmuseum Thun. Als Kopie kommt es jetzt auch im Entrée des Restaurants zur Geltung. Es zeigt die Silhouette des ersten Thuner Dampfschiffes "BELLEVUE".

Inneneinrichtung
Die Inneneinrichtung des heutigen Restaurants "Dampfschiff" wird zum einen bestimmt vom restaurierten Ausbau vom 1835, zum anderen von einer Möblierung wie sie damals üblich war. So wurden zum Beispiel Stühle und Tische aus Nussbaum nach originalen Biedermeiermöbeln nachgebaut.

Für den Wandschmuck wurde eine Ausstellung ganz besonderer Art zusammengestellt, mit den Themen "Ländtehaus" und "Dampfschifffahrt auf dem Thunersee", mit wunderschönen, zum grössten Teil erstmals veröffentlichten Bildern.

Auszeichnung
2003 wurde dem Restaurant Dampfschiff von "ICOMOS" Schweiz eine besondere Auszeichnung "für die sorgfältige und liebevolle Renovation des Hauses sowie für die Wiederbelebung des Restaurants in detailgenauer Anlehnung an die Geschichte" zuerkannt.
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Restaurant Dampfschiff, Hofstettenstr. 20, 3600 Thun. Tel.: 033 221 49 49
Ruth und Michael Schürch
E-Mail: kontakt@dampfschiff-thun.ch